Deutsches Chemie Museum – Visionen und neue Nutzungsformen
Wie lässt sich Industriegeschichte vor dem Vergessen bewahren und für die Zukunft neu denken?
Im Modul „Skizze-Zeichnung-Entwurf“ bei Professorin Alexander entwickelten die Studierenden Gestaltungskonzepte für das Deutsche Chemie-Museum in Merseburg – von der ersten technischen Studie bis zur fertigen Vision.
Im ersten Teil des Moduls wurden zunächst die Grundlagen des perspektivischen Zeichnens erprobt. Als praktisches Übungsfeld diente der Technikpark des Museums: Hier dokumentierten die Studierenden ausrangierte Maschinen der Chemieindustrie und lernten, komplexe technische Formen zeichnerisch zu durchdringen.
Anschließend rückte die Frage nach der Revitalisierung des Museumsstandorts in den Vordergrund. Die Studierenden entwickelten individuelle Visionen, um das Museum auch für neue Zielgruppen attraktiv zu machen. Die Bandbreite der Ansätze reicht dabei von der interaktiven Vermittlung, die verborgene Prozesse sichtbar macht, bis hin zu atmosphärischen Licht- und Kunstinszenierungen, die die Maschinen als ästhetische Erlebnisse neu definieren. Andere Konzepte setzen auf eine urbane Integration, indem sie das Gelände als Lerngarten umnutzen oder die Ausstellung in den Stadtraum erweitern. Ergänzt wird dies durch Ansätze zur spielerischen Aneignung mittels Sounddesign und Gamification sowie Visionen einer ökologischen Transformation, die die Industrieruinen als nachhaltige Lebensräume für die Natur umdeuten.
Leitfragen der Projekte waren unter anderem: Wie kann Design die Brücke zwischen historischer Technik und heutiger Lebenswelt schlagen? Welche Mittel machen in die Jahre gekommene Industriematerie für Familien und Studierende greifbar? Die Entwürfe zeigen das Potenzial des Chemie-Museums als lebendigen Ort der Begegnung, an dem Technikgeschichte und moderne Gestaltung aufeinandertreffen können.
Renaissance der Chemie | Conrad Koch
Wie haucht man alten Maschinen neues Leben ein? Ausgehend von dieser Fragestellung habe ich ein realistisches Konzept erarbeitet, das Nachhaltigkeit mit ökologischem Mehrwert verbindet, indem Lebensraum für Pflanzen und Insekten geschaffen wird.
Digitale Wege, die Exponate im Museum zu erkunden | Tessa Scheffler
Eine App erweitert das Chemiemuseum um eine digitale Ebene und macht den Besuch interaktiv und spielerisch. Über QR-Codes und ein integriertes Archiv können Besucherinnen zusätzliche Informationen, Hintergründe und Geschichten zu den Maschinen entdecken. In kreativen Elementen können sie eigene Maschinen gestalten und selbst über Aussehen und Funktionen entscheiden – dabei zählt vor allem die Kreativität, nicht die technische Korrektheit. Zusätzlich lädt eine spielerische Suche nach Exponaten mit Hinweisen zum Erkunden ein. Ein erster Prototyp ist über die QR-Codes erreichbar. Dieser dient vor allem der Darstellung und kann noch Fehler enthalten.
Die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart | Latife Shaer
Durch die Gegenüberstellung aktueller Fotografien und deren Simulation mithilfe der Skizzentechnik wird ein Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart hergestellt. So kann sich das Publikum besser mit dem Thema und seiner Bedeutung für die Gegenwart auseinandersetzen und die damaligen und heutigen Verhältnisse besser verstehen. Die Dokumentationstechnik, die vorhandene visuelle Dokumente wie Filme und Fotografien nutzt und mit der aktuellen Situation verknüpft, schlägt eine Brücke zwischen Geschichte und gegenwärtigen historischen Ereignissen und macht diese so erlebbar.
Reactivated Machines | Joel Jackobs
Das Projekt „Reactivated Machines“ löst technische Exponate aus dem rein musealen Kontext und transformiert sie zu funktionalen Wasserinstallationen im öffentlichen Raum. Durch das neue Arbeitsmedium Wasser werden die industriellen Relikte akustisch und visuell wieder belebt und als Brunnenanlagen mitten im urbanen Alltag erfahrbar gemacht. So entstehen dezentrale Außenstellen des DCM, die Industriegeschichte mit moderner Stadtgestaltung und Klimaresilienz verknüpfen.
Lerngarten Merseburg – Entspannen, Austauschen, Fokussieren | Farrah Maria Fischer
Meine DCM Vision zeigt die Umnutzung des Geländes des Chemiemuseums zu einem öffentlichen Lerngarten als Erweiterung des Campus. Der Ort verbindet Lernen, Aufenthalt und Alltag und ist offen für Studierende, Schulklassen und Besucher*innen. Die Grafikreihe gliedert sich in drei Bereiche: Rückzugsorte zum Entspannen, ein Café als Raum für Austausch sowie Lerninseln zum konzentrierten Arbeiten im Freien. Die vorhandenen Maschinen werden dabei nicht nur ausgestellt, sondern gestalterisch in den Raum integriert und neu erlebbar gemacht.
Kulturzentrum – vom Industriedenkmal zum kreativen Hotspot | Sina Gaag
Das Chemiemuseum wird zum lebendigen Kultur- und Eventzentrum – ein Ort, wo Industriegeschichte auf zeitgenössische Kultur trifft. Hier entsteht ein kreativer Rückzugsort.
Digitale Kunstgalerie | Laura-Noelle Schütz
Die Idee der digitalen Gallerie besteht darin die alten Maschinen durch digitale Kunst zu neuem Leben zu erwecken. Künstler:innen bekommen hierbei die Möglichkeit ihre Werke auszustellen und neue Besucher:innen nach Merseburg zu locken. Die Maschinen dienen als Projektionsfläche und verwandeln das Museum in einen Ort der Kunst und Begegnung.
Form und Klang im Chemie-Museum | Simon Hermann
Dieses Projekt untersucht die Beziehung zwischen industrieller Form und Klang anhand ausgewählter Artefakte des Deutschen Chemie-Museums. Inspiriert von der Ästhetik des Industrial Techno werden die Maschinen nicht nur visuell, sondern auch auditiv erfahrbar gemacht. Dafür wurden Klänge direkt an den Oberflächen der Exponate aufgenommen – sogenannte Samples – und anschließend zu elektronischen Tracks weiterverarbeitet. Die entstandene Grafikserie verbindet visuelle Interpretationen der Objekte mit den zugehörigen Klangkompositionen, die über QR-Codes abgerufen werden können. Ziel des Projekts ist es, Besucher*innen eine neue, multisensorische Wahrnehmung der musealen Exponate zu ermöglichen, indem Form, Material und Klang in einem künstlerischen Kontext zusammengeführt werden.
Projektdaten:
| Lehrveranstaltung: | Skizze, Zeichnung, Entwurf (MIDMM) |
| Dozenten: | Prof. Alexander |
| Teilnehmende: | Studierende des MIDMM, 1. Semester |
| Zeitraum: | Wintersemester 2025/26 |
